Ist Matcha ethischer als Kaffee und Tee?
Share
Kaffee, Tee und die stille Seite von Matcha Warum nicht jede Tasse auf die gleiche Art entsteht
Der Morgenkaffee gehört für viele so selbstverständlich zum Tag wie das Zähneputzen. Kaum jemand denkt dabei an die Hände, die die Bohnen gepflückt haben, oder an den Preis, den die Produzentinnen und Produzenten dafür erhalten haben. Genau dort lohnt sich ein zweiter Blick — denn Kaffee, Tee und Matcha entstehen unter sehr unterschiedlichen Bedingungen.
Der Preis des Kaffees

Kaffee ist eine der wertvollsten Handelswaren der Welt, doch bei den Bäuerinnen und Bauern kommt davon erstaunlich wenig an. Studien zeigen, dass sie oft nur zwischen sieben und zehn Prozent des Ladenpreises erhalten, in manchen Fällen sogar weniger als drei Prozent. Der preisgekrönte Dokumentarfilm Black Gold begleitet einen äthiopischen Genossenschaftsvertreter auf seiner Reise durch die globalen Kaffeemärkte und zeigt eindrücklich, wie wenig Verhandlungsmacht Produzenten gegenüber multinationalen Konzernen haben. Wenn die Weltmarktpreise fallen, sind es die Anbaubetriebe, die das Risiko tragen — nicht der Handel.
Tee — eine stille Realität

Bei Tee liegt die Sache noch weniger offen zutage, da er in der öffentlichen Debatte selten so viel Aufmerksamkeit bekommt wie Kaffee oder Kakao. 2023 deckten BBC Africa Eye und BBC Panorama in einer verdeckten Recherche auf kenianischen Teeplantagen — die unter anderem an Unilever, Lipton und James Finlay & Co. geliefert haben — systematischen sexuellen Missbrauch auf. Über siebzig Frauen berichteten der BBC, dass Vorgesetzte ihnen sexuelle Gefälligkeiten im Austausch für Arbeit abverlangt hätten. Die Fairtrade Foundation bezeichnete die Enthüllungen als eine Art "MeToo-Moment für Tee". Parallel dazu klagen bis zu 2000 aktuelle und ehemalige Angestellte vor schottischen Gerichten gegen gesundheitliche Folgeschäden durch die Erntearbeit.
Auch in der Schweiz ein Thema
Man muss aber gar nicht so weit reisen, um auf diese Themen zu stossen. Laut Recherchen der NGO Public Eye, über die «Kassensturz» 2024 berichtete, können am «Nescafé-Plan» beteiligte Kaffeebäuerinnen und -bauern in Mexiko und Brasilien trotz Nestlés Nachhaltigkeitsversprechen kaum von den gezahlten Preisen leben — einer der Betroffenen wirbt sogar mit seinem eigenen Gesicht auf der Verpackung. Nestlé selbst weist die Kritik zurück und verweist auf «marktübliche» Preise. Im Frühjahr 2025 zeigte «Kassensturz» zudem, dass die Migros die zusätzliche Fairtrade-Prämie für Kaffeebauern in Peru von 50 auf 20 Rappen pro Packung Kaffeekapseln gekürzt hat — eine Einsparung, die direkt an die Kundschaft weitergegeben wurde.
Warum Matcha anders wächst

Japanischer Tee — und damit auch Matcha — folgt einer grundlegend anderen Logik. Der grösste Teil der japanischen Teeproduktion wird im eigenen Land konsumiert, es gibt also keine grossen exportorientierten Plantagen, die auf minimale Produktionskosten optimiert sind. Stattdessen wird Tee überwiegend von kleinen, familiengeführten Betrieben angebaut, die ihre Felder oft seit Generationen bewirtschaften. Diese Struktur ist nicht das Ergebnis eines Zertifikats, sondern historisch gewachsen — und sie reduziert strukturell das Risiko solcher Machtungleichgewichte, wie sie auf den Plantagen Kenias oder Mexikos entstanden sind.
Ehrlich bleiben: Auch Japans Teeanbau hat seine Herausforderungen
Das bedeutet nicht, dass alles perfekt ist. Japans Teeanbau kämpft mit einer alternden Erzeugerschaft und einem eklatanten Mangel an Nachfolgerinnen und Nachfolgern: Allein in Shizuoka ist die Zahl der Teebaubetriebe zwischen 2000 und 2020 von rund 53'700 auf etwa 12'300 gesunken. Ein wichtiger Grund dafür liegt im Inland selbst: Der Konsum von losem Grüntee ist in Japan seit rund 2011 bis vor Kurzem stetig zurückgegangen, während sich das Getränkeangebot immer weiter diversifizierte — Flaschentee, Kaffee und unzählige andere Optionen füllten die Regale. Weniger Nachfrage bedeutete weniger Einkommen für die Betriebe, was den Generationswechsel zusätzlich erschwerte. Das ist kein Ausbeutungsproblem im Sinne der oben genannten Fälle, sondern eine Frage der Kontinuität — ob es in zwanzig Jahren überhaupt noch genug Menschen gibt, die dieses Wissen weitertragen.
Genau hier sehen wir bei ku-u unseren Beitrag: Indem wir Matcha auch ausserhalb Japans bekannt machen und Menschen die Freude an diesem aussergewöhnlichen Getränk näherbringen, möchten wir einen kleinen Teil dazu beitragen, dass sich die Nachfrage — und damit die Zukunft — des japanischen Grüntee- und Matcha-Anbaus wieder stabilisiert.
Wie ku-u seinen Matcha bezieht
Genau deshalb legen wir bei ku-u Wert darauf, zu wissen, woher unser Matcha kommt. Wir beziehen unseren Rohtee (Aracha) von lokalen Produzentinnen und Produzenten sowie Vertragsbauern, vor allem in Shizuoka, ergänzt durch Partnerbetriebe in anderen Regionen Japans. Statt auf anonyme Grossmärkte zu setzen, pflegen wir kontinuierliche Beziehungen zu Betrieben, die auf eine naturnahe, traditionelle Anbauweise setzen und auf synthetische Pestizide verzichten. So wissen wir nicht nur, was in unserer Packung ist — sondern auch, wer sie möglich gemacht hat.
Das Fazit

Das heisst nicht, dass es in Japan gar keine Herausforderungen gibt — genau deshalb haben wir sie oben bewusst nicht verschwiegen. Aber die Strukturen unterscheiden sich grundlegend von jenen auf den grossen Plantagen Kenias oder Mexikos. Wir bei ku-u möchten, so gut wir können, ein kleiner Teil der Lösung sein — indem wir feste Beziehungen zu unseren Produzenten pflegen und dazu beitragen, dass sich der japanische Tee- und Matcha-Anbau langfristig trägt. Und genau dieses Wissen um die Unterschiede ist es, das bewussten Konsum erst möglich macht.
Quellen
- BBC News: "True cost of our tea" — Enthüllungsrecherche zu sexueller Ausbeutung auf kenianischen Teeplantagen (2023)
- PBS Independent Lens: Black Gold (Dokumentarfilm, 2007)
- Food Empowerment Project: Daten zum Anteil der Kaffeebauern am Verkaufspreis
- Borgen Project: Arbeitsausbeutung in der Kaffeeproduktion
- SRF Kassensturz: «Nescafé-Plan: Schuften für 1.50 Fr. pro Kilo» (2024), gestützt auf Recherchen von Public Eye
- SRF Kassensturz: «Die Migros spart bei Kaffeebauern – zugunsten der Kunden» (2025)
- 日本農業新聞: Rückgang der Teebaubetriebe und Nachwuchsmangel
- Landwirtschaftsministerium Japan (MAFF): Daten zu Alterung, Nachwuchsmangel und rückläufigem Grüntee-Konsum
